Zu groß, zu blass, zu geschuppt
Ich habe zwar nie den Grund heraus bekommen, aber heute hatte ich zweimal Besuch. Der erste Besuch stürmte gegen 10:30 stürmte die Montagehalle. Aber etwas war seltsam, alle Besucher waren etwas zu groß geraten und recht blass.
Nach kurzem Nachbohren stellte sich heraus, dass die Besucher eine Gruppe Studenten aus Erlangen waren – hauptsächlich Elektrotechniker, Maschinenbauer und Mechatroniker. Ich dachte mir: “Eigentlich sind doch im Moment noch keine Semesterferien – Was machen die denn dann hier?“. Leider waren die Jungs (und ein Mädel) sehr unter Zeitdruck und wir konnten nur ein paar kurze Worte über KUKA und das Traineeprogramm wechseln.
Der zweite Besuch aber war aber noch von viel kürzerer Dauer. Da ich heute recht lang in der Arbeit war, waren schon die meisten Lichter aus und es war in einigen Teilen des Gebäudes stockfinster. Was aber noch lange nicht heißt, dass es auch kühl war. Durstig wie ich war, machte ich mich in die Kaffeeküche auf, um ein paar Schluck Wasser zu trinken. Dabei überraschte ich einen kleinen Gecko, der wohl in einer der Robotertrainingszellen lebt. Leider hat ihn das Licht so sehr erschreckt, dass er schleunigst die Flucht ergriff und ich leider nur ganz kurz Zeit hatte ihn zu beobachten. Aber morgen geht’s dann auf Gecko-Hatz – der muss doch zu finden sein!
03.16.09Robotic Time Travel
Das oben abgebildete unförmige Ding ist das Handbediengerät der schon locker zehn Jahre alten Robotersteuerung “KRC 32” (32 für 32 Bit). Eigentlich gehört so etwas schon fast ins Museum und nicht mehr in den aktiven Produktionseinsatz. Aber hier in Malaysia kann man diese Dinger noch gelegentlich finden. Häufig sind sie aber nicht mehr anzutreffen.
Im Gegensatz du dem Teil oben, ist die “KRC (1)” noch wirklich gängig. Viele Produktionsanlagen laufen hier noch mit dem doch schon etwas betagten Modell, das seine besten Jahre schon weit hinter sich hat. Aber interessant ist es allemal sich mit der Geschichte dieser Geräte auseinander zu setzen. Windows 95 kombiniert mit VX Works kommt als Betriebssystem zum Einsatz und die Erreichbarkeit mancher Funktionen treibt einem schon immer wieder mal entweder ein breites Grinsen oder ein ungläubiges Strinrunzeln aufs Gesicht.
Servicetechnisch ist das Ding jedoch ein Albtraum. Ersatzteile sind nicht gerade leicht zu beschaffen und die Zugänglichkeit einiger verbauter Teile, lässt einen doch manchmal an dem Verständnis der damaligen Entwickler für Ergonomie und der Anatomie der menschlichen Hand zweifeln. Andererseits ist es schon beeindruckend, dass diese Steuerungen – wie hässlich sie auch sind - äußerst robust sind. Einige tun immer noch zuverlässig , tagein tagaus, ihren Dienst in vielen Fabriken der lokalen Industrie.
Chinese House Warming
Da meine Firma gerade erst ein neues Gebäude in Malasia bezogen hat, war es Zeit eine ordentliche Einweihungszeremonie zu halten. Teil dieser Zeremonie war auch die “Beschwörung guter Götter” in dem in dem Schrein, der auf dem Gelände liegt. Es wurde gebetet und Opfergaben dar gebracht, um die Götter milde zu stimmen. Manchmal denke ich, dass das auch nötig ist, da leider das dach bei starkem Regen etwas durchlässig ist. Aber was will man sagen, wenn gute Geister über das Gebäude wachen.
Work – Star wars style
Mein erstes Projekt in Malaysia. Ich darf ganz alleine eine Roboterzelle zum Laserschweissen aufbauen. Na gut, nicht ganz allein. Chai unterstützt mich und hilft wo er kann – aber er hat gerade erst mal vor gut drei Wochen hier angefangen.
Ich habe also mal die Chance alles ausprobieren zu können, was ich bis jetzt meist nur theoretisch gelernt habe – und das im elitären Star Wars Stil. Arbeit rockt!
02.25.09Kaffeepause
Der klassische malaysische Kaffee, auch “Kopi-O“, ist normalerweise eine braune Brühe, die grob zum gleichen Anteil aus Zucker wie aus Wasser besteht. Die besten Chancen einen halbwegs “normalen” Kaffee in Malaysia zu bekommen, bietet ein ein Besuch im Starbucks Coffee. Da aber an meinem Arbeitsplatz leider keines greifbar ist, muss ich im Moment auf Nescafe ausweichen. Dazu gibt’s keine Milch, sondern Creamer. Aber wenigstens füllt der Nescafe die Koffeintanks wieder auf.
Abenteuer in der Mall
Nachdem wir heute Vor- mittag nach etwa zwei Stunden den Test beim Kunden erfolgreich ab- geschlossen hatten, wurde es Zeit nach einer Beschäftigung für den angebrochenen Nachmittag zu suchen. Eng Hock schlug vor, wir könnten in der Sunway Mall essen und danach noch etwas shoppen gehen. Als wir in der Mall ankamen überraschte mich die angenehme Kühle, die dort einem entgegen wehte. Zuerst dachte ich “Die müssen einen giganto-riesige Klimaanlage haben“. Kurz darauf fand ich aber den wahren Grund für dieses Phänomen heraus. Die haben da eine Eislaufbahn! – In dem vierstöckigen Einkaufszentrum! – In Malaysia! Malaysia, das Land indem 25°C als kalt empfunden wird, hat eine Mall in der man Eislaufen kann. Zu meiner Überraschung stellen sich die Malaysier nicht schlechter an als der Durchschnittseuropäer auf dem Eis.
Danach haben wir dann vorzüglich im – alle Achtung dem Namensgeber: eine Perfekte Symbiose aus Klischee,und Nerdkultur die einmal komplett durch den IBlender von Apple gejagt wurde – chinesischen “Dragon-I” gespeist. Nachdem wir aufgegessen hatten, vertrieben wir uns ein bisschen die Zeit beim bummeln.
Am späten Nachmittag wurde es dann Zeit für einen Kaffee und eine kleine Pause – also schnell in den ansässigen Starbucks, einen “Grande Iced Vanilla Latte” bestellt und auf die Terrasse zum relaxen. In dem Moment fielen mir fast die Augen aus dem Schädel. Die Eislaufbahn, die mich vorher schon überrascht hatte wurde getoppt. An das Einkaufszentrum sind neben einem Hotel gleich drei – drei(!) – DREI – Vergnügungsparks angeschlossen. Der größte davon ist ein Erlebnisbad mit angeschlossenem Spa, die anderen ein “Horror Park” und ein “Rides Park” mit Riesenrad und Autoscootern.
Verdammt, warum haben wir so etwas zu hause eigentlich nicht? Ich meine damit, man könnte von all dem Shoppingstress wunderbar bei einer Massage oder einem Saunagang entspannen. Oder man geht ein wenig Autoscooter fahren, um sich ein wenig abzureagieren, weil wieder alle Anderen zu langsam gelaufen sind. Oder man relaxt einfach ein bisschen auf dem Riesenrad und genießt die Aussicht. Aber nein – wir bekommen zu Hause bestenfalls ein “Danke für Ihren Einkauf. Besuchen sie und Bald wieder.” auf dem Kassenbon.
Blackoutwitted
Heute ist zwar Samstag und dazu noch Valentinstag, aber das hält leider keinen Kunden in Malaysia davon ab, eine noch ganz dringende Verbesserung in einer Anlage umzusetzen. Gesagt – getan. Fast zumindest. Denn als gerade der Testlauf beginnen sollte, gab es leider einen Stromausfall, der dazu führte, dass die komplette Fabrik lahmgelegt wurde. Und es war sicher nicht meine Schuld! Trotzdem wurde deshalb der Test auf Sonntag vertagt, was bedeutet dass ich morgen mir auch wieder dort die Ehre geben darf. Wochenendarbeit ist nicht schön. Aber was macht man nicht alles für die lieben Kunden.
Aber wenigstens hat der Stromausfall zu einer Pause geführt in der ich den Lars anrufen konnte, denn der alte Schwede Däne 30-sten. Ganz schön alt – ab jetzt musst langsam auf deine Gesundheit achten! Aber egal La(r)s(s) es heute mal so richtig krachen!
Technologicalamitiy
“Technocalamity” – Wie bitte? Was ist soll denn das heißen? Dieses Kunstwort setzt sich aus den zwei Wörtern “technological” und “calamitiy” zusammen und habe ich heute mittag bei Invent-a-Word erfunden um meine Arbeit hier ein bisschen zu beschreiben.
Aber ich denke ich fange mal von vorn an. Vielleicht versteht man dann den Zusammenhang mit “Technocalamity“. Auf dem Bild kann man meinen momentanen Arbeitsplatz sehen. Insgesamt Vier Rechner – zwei stehen unter dem Tisch – laufen zur gleichen Zeit, um dem Flo ein effizientes Arbeiten zu ermöglichen. Auf dem rechten PC erstelle ich gerade ein Benutzerinterface zur Konfiguration und Überwachung einer robotergestützten Anlage. Und dazu muss ich leider, die aus dem neunten Kreis der Hölle stammende Sprache, Visual Basic verwenden. Der Typ der das verbrochen hat, wird da wohl noch einige Jahrhunderte schwitzen. Auf dem Mittleren bearbeite ich das Roboterprogramm, um mit der Benutzeroberfläche möglichst reibungslos zu kommunizieren. Und das linke Notebook ist ausschließlich für Outlook und Recherchen zu “Problemen mit”, “Workarounds für” und “okkulten Beschwörungsformeln an” Visual Basic da. Ja, allein für Dokumentation zu VB benötige ich einen eigenen Rechner. Nur um ständig herauszufinden, dass alles mit VB .NET doch viel einfacher wäre. Vor allem wenn man über Win32 API Calls aus dem “Nur-ein-Thread-Gefängnis” ausbrechen will, fängt das Ganze doch recht schnell an ins Übersinnliche abzugleiten. Ich denke ich habe mich nun lange genug über Visual Basic ausgelassen.
Aber gegenüber all dem Ärger ist es trotzdem ein gutes Gefühl, zu wissen, dass meine Arbeit hier in Malaysia von meinen Kollegen geschätzt wird und mir anspruchsvolle Aufgaben übertragen werden. Selbst wenn das bedeutet, dass ich dafür einen Pakt mit dem Teufel eingehen muss. Eine Frage bleibt aber:
02.10.09“Woher soll ich denn einen Opferkelch voll Jungfrauenblut nehmen? Laut einigen Quellen, soll das der einzige erfolgsversprechende Weg, um einen neuen Thread in Visual Basic zu spawnen, ohne dass kurz darauf das Programm abschmiert?“
Falscher Enthusiasmus
So seltsam, wie erwartet, ist die Arbeit in Malaysia ja gar nicht. Normalerweise geht alles seinen – zugegebenermaßen manchmal recht chaotischen – Gang und meistens kann man sich auf Termine und Zusagen verlassen.
Aber es gibt eine Frage, mit ich immer wieder meine Kollegen hier aus dem Konzept bringen kann.
Aber fangen wir ganz von vorn an. Heute Vormittag war erst mal ein Meeting angesetzt um über ein Serviceprojekt zu sprechen, das kommende Woche starten soll. Da das Gespräch, “der Einfachheit halber“, in Chinesisch gehalten wurde konnte ich mir relativ schnell absetzen, da ich immer nur fragend und voller Bewunderung die Folien aus PowerPoint ansah. Mal ehrlich: “Unicode ist schon ne dolle Sache“. Aber sei’s drum – Als ich dann durch die Gänge schlendernd einem Kollegen begegnete stellte ich nur eine winzig kleine Frage:
Kann ich noch irgendwas helfen?
Der Kollege kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, dass ich ihn – von mir aus – gefragt habe ob denn noch etwas zu tun sei. Üblicherweise begibt man sich wenn man nichts zu tun hat an seinen Platz und beschäftigt sich, bis man eine neue Aufgabe bekommt. Ich muss sagen, dass mich das echt ein bisschen verdutzt hat – Enthusiasmus ist hier nicht immer gefragt.
Am Nachmittag habe ich jedoch schon ein neues Softwareprojekt zugewiesen bekommen.
02.3.09Oh man. Wie ich VisualBasic hasse!
Hätte ich doch nur meine Klappe gehalten.
Geschmolzen im Lärm
Heute nachmittag war es soweit. Bei der Arbeit war ich heute beim Verdaten einiger Roboter. Gegen fünf Uhr hatte der Flo langsam das Gefühl, dass er bald aus den Latschen kippen muss.
Gefühlter Körper-Siedepunkt.
Dazu kam dann auch noch Regen – aber nicht nur irgendeiner. Ich hab ja schon öfters gesagt, dass es Malaysia öfters mal duscht – aber unter dem gewaltigen Blechdach der Halle klang das ganze doch schon äußerst bedrohlich. Deshalb konnte man wegen des Lärms kaum sein eigenes Wort verstehen – geschweige denn das was die Kollegen einem zurufen. “Input 38 – black wire – cable 5” klingt nach einer recht einfachen Aneinanderreihung von Halbsätzen und recht effektiver Kommunikation.
Aber wie gesagt – über Zuruf war nix zu machen.
Also raus mit dem Block und Zettelchen schreiben. Es war fast ein bisschen wie früher in der Schule. Beim Vorbeigehen kurz einen Zettel fallen lassen und auf eine Antwort hoffen, die nicht(!) “Maybe?!” lautet – vor Allem, wenn es um mehr als 600V Zwischenkreisspannung geht!Da soll noch einer Sagen, das Regen der aufs Dach plätschert beruhigend und entspannend wirkt.
Aber alles in allem war es trotz der Hitze und des Lärms eine interessante Erfahrung, unter schlechten Bedingungen eine Anlage flott zu machen. Ah ja und bevor jemand fragt: Ja, die Anlage funktioniert und riecht nicht nach Kabelbrand.





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